Akupunktur

Synonyme

Akupunktur, TCM

 

Allgemeine Informationen

Die Akupunktur ist als wesentlicher Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), eine seit über 4000 Jahre überlieferte Methode. In Deutschland sind erste Ansätze und Überlieferungen seit dem 17. Jahrhundert bekannt.

Akupunktur (Lat.: acus = Nadel, punctio = das Stechen, chinesisch 針砭 zhen bian) ist ein Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Sie geht von Lebensenergien des Körpers aus (Qi), die auf definierten Längsbahnen, den Meridianen, zirkulieren und angeblich einen steuernden Einfluss auf alle Körperfunktionen haben. Ein gestörter Energiefluss wird für Erkrankungen verantwortlich gemacht und soll durch Stiche in auf den Meridianen angenommene Akupunkturpunkte ausgeglichen werden. Bei einigen verwandten Methoden wird stumpfer Druck auf die Punkte ausgeübt (Akupressur) oder sie werden erwärmt (Moxibustion).

Klinische Studien zeigen eine Wirksamkeit der Akupunktur bei durch Kniegelenksarthrose bedingten Schmerzen, bei chronischen tiefen Rückenschmerzen und bei der Prophylaxe von Migräneattacken. Allerdings wurde auch gezeigt, dass Scheinakupunktur, bei der irgendwohin gestochen wird, genauso wirksam ist wie eine nach traditionellen Regeln durchgeführte Akupunktur. Akupunktur wird zur Behandlung zahlreicher weiterer Beschwerden angeboten, auch wenn kein anerkannter Beleg für eine Wirksamkeit vorliegt.

 

Anwendungsbereiche

In der Orthopädie gibt es nachfolgende Anwendungsbereiche

  1. Phantomschmerzen
  2. Neuralgien (Nervenreizungen)
  3. Tumorschmerzen
  4. Orthopädische Krankheitsbilder
  5. Schäden an der Halswirbelsäule
  6. Schulter-Arm-Beschwerden, chronische Schulterreizung
  7. „Hexenschuss“ (Lumbal-Syndrom)
  8. „Ischias“ (Lumbo-Ischialgien)
  9. Hüft- und Knieschmerzen, z. B. durch Verschleiß (Arthrose)
  10. Tennis-Ellenbogen“ (Epicondylitis)
  11. Bandscheibenbedingte Erkrankungen
  12. Verletzungsfolgen
  13. Rheuma
  14. Weichteilrheuma

 

Ablauf

Der Einstich der Akupunkturnadeln führt zu einem leichten, kurzzeitigen Einstichschmerz, der meist hell und oberflächlich empfunden wird. Nach dem Nadeln der Akupunkturpunkte empfindet man häufig ein Schwere- und Druckgefühl an den Einstichstellen. Selten tritt auch ein Gefühl einer leichten Elektrisierung auf. Dieses „Nadel-Gefühl“ kann unterschiedlich stark empfunden werden. Wenn die Nadeln einige Minuten liegen, entspannt sich der Körper. Arme und Beine fühlen sich oft schwerer an. Häufig beginnt man, die Bewegung der Lebensenergie in Form eines Gefühls des Fließens im Körper wahrzunehmen.

Akupunktur
Akupunktur (klicken zum vergrößern)

Wirkungsweise

Während in Asien der Wirkmechanismus der Akupunktur nach wie vor als energetisch-qualitative Lebenskraft-Konzepte verstanden wird, gibt die westliche Forschung der biologisch-quantitativen Deutung als Reiz-Reflextherapie den Vorrang.

In 80 Prozent der Fälle bringt die erste Behandlung mit Akupunktur eine leichte Besserung, die zweite und dritte kann zu einer Steigerung der Symptome führen. Dieser Zustand einer Erstverschlimmerung zeigt an, dass der Körper auf die Behandlung anspricht und ist auch aus anderen Naturheilverfahren bekannt (z. B. aus der Homöopathie). Ab der vierten Sitzung tritt zunehmend eine Besserung ein, bis zur endgültigen Heilung.

Rund 15 Prozent der Behandelten zeigen nach ein bis zwei Behandlungen eine spontane Besserung, sprechen danach aber nicht mehr auf die Akupunktur an. Sie sind meist durch Akupunktur allein nicht zu heilen. Bei zwei bis drei Prozent tritt die Erstverschlimmerung bereits nach der ersten Behandlung ein, die Beschwerden werden dann oft nur langsam schwächer. Und zwei Prozent der Behandelten sprechen gar nicht auf die Akupunktur an. In diesen Fällen wird vermutet, dass die Selbstheilungskräfte bereits zu schwach sind, um wieder angeregt zu werden.

 

Risiken

Nicht durchgeführt werden darf eine Akupunktur bei Blutgerinnungsstörungen und der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten. Darüber hinaus bei Erkrankungen, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordern, ebensowenig bei schweren psychischen Störungen (Psychosen).

Die Einstichstellen können an manchen Punkten etwas schmerzhaft sein. Auch treten gelegentlich Rötungen, Brennen und Schweißaustritt auf. Bei empfindlichen Personen kann es - unabhängig vom eingestochenen Punkt - zu Kollaps Reaktionen kommen. Deshalb wird meist im Liegen akupunktiert.

Infektionsrisiken bestehen theoretisch, wenn Nadeln mehrfach gebraucht werden. Deswegen werden heute in wohlhabenden Ländern praktisch überall Einmal-Stahlnadeln verwendet.

Einige Medikamente, wie zum Beispiel Kortison, können die Wirkung der Akupunktur beeinträchtigen. Das ist vor allem bei hohen Dosierungen über lange Zeit der Fall. Auch Bäderkuren und intensive Bestrahlungen bei Krebs können die Akupunktur stören. In diesen Fällen sollte einige Wochen gewartet werden, ehe mit der Akupunktur begonnen wird.