Bandscheibenvorfall

Synonyme

Bandscheibenvorfall, Bandscheibenprolaps, Bandscheibenvorwölbung, Nucleus pulposus prolaps, NPP, Nucleus-Pulposus-Prolaps, Diskusprolaps, Protrusio, Diskushernie, Protrusion.

Verwandte Begriffe:Ischiasschmerz, Lumbalgie, Lumbago, Lumboischialgie, Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenprotrusion, Hexenschuß, Rückenschmerzen.

 

Allgemeine Hinweise

Durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufene Nervenwurzelkompression mit Schmerzen und ggf. neurologischen Defiziten bedeutet häufig eine erhebliche Beeinträchtigung der Patienten mit Auswirkungen auf die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit. Aufgrund degenerativer Vorgänge entstehen Risse im Anulus fi brosus, dies ermöglicht das Austreten von dem weichen Kern (Nucleus pulposus) und damit die Irritation und Kompression von nervalen Strukturen. In Ausnahmefällen kann ein Trauma die Ursache sein.

 

Ursachen

Die Bandscheibe besteht aus einem Faserring mit einem galertigen Kern. Kommt es zu einer Schwächung oder zu einer Rissbildung des Faserrings aufgrund von Fehl- oder Überlastung der Wirbelsäule, kann der geleeartige Kern aus der Bandscheibe entweichen (Bandscheibenvorfall). Dies geschieht in der Regel durch Verschleiß. Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall sind unter anderem Fettleibigkeit und Schwangerschaft. Auch bei relativ jungen Menschen kommt es häufig zum Bandscheibenvorfall. Eine genetische Veranlagung zum Bandscheibenvorfall muss inzwischen ebenfalls berücksichtigt werden.

Bandscheibenvorfall

Abbildung Bandscheibenvorfall: vier Bandscheibenvorfälle eines Patienten auf einmal
(extrem selten, meistens nur einer)
(klicken zum vergrößern)

 

Häufigkeit

Wie bereits oben einführend erwähnt, treten die Bandscheibenvorfälle am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, gefolgt von Bandscheibenvorfällen im Bereich der Halswirbelsäule, Vorfälle im Brustwirbelsäulenbereich sind als weitere Möglichkeit relativ selten.

Während Lendenwirbelsäulenvorfälle am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auftreten, ist die Halswirbelsäule zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr erst später betroffen. Eine Bandscheibenprotrusion kann schon wesentlich früher auftreten.

Im weiteren Lebensverlauf sind Bandscheibenvorfälle dann wiederum seltener vorzufinden, da dann verstärkt der Wasserverlust der Bandscheibe auftritt (siehe oben). Dies hat im Hinblick auf den Bandscheibenvorfall den „Vorteil“, dass der Gallertkern dickflüssiger wird und somit nur noch erschwert vorfallen kann.

 

Symptome

Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule

Das Hauptsymptom ist der Beinschmerz mit einer, abhängig von der Lage des Vorfalls, typischen Ausstrahlung. Zudem treten Taubheits- sowie Kribbelgefühle auf. In schweren Fällen treten Lähmungen auf, die ein frühzeitiges Eingreifen erfordert. Bei der seltenen Blasen- und Mastdarmstörung mit entsprechendem Kontrollverlust ist eine sofortige, notfallmäßige Entfernung des Vorfalles notwendig. In der modernen Schmerztherapie gibt es eine Fülle verschiedener Behandlungsmethoden, wobei es immer auf den Einzelfall und die damit verbundene Befundkonstellation ankommt. So wird bei den Patienten je nach Art, Herkunft, Intensität und Dauer der Schmerzen auf ein oder mehrere Verfahren zurückgegriffen werden können oder müssen. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung von operativen Verfahren, die bei mir zur Anwendung kommen. Zu weiteren Methoden können Sie mich in der Sprechstunde gerne ansprechen.

 

Diagnose

Je nach Beschwerden, kann folgender Vorfall vorliegen.

 

Halswirbelsäule
  • Lokale Kopf und Nackenschmerzen
  • Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen
  • Schmerzen der Arme, kombiniert mit Gefühlsstörungen und / oder Muskelschwäche
  • Durchblutungsstörungen von Arm und Hand und / oder Schwindel oder Ohrbeschwerden (Druckgefühl, Ohrgeräusche)
  • Lähmung der Arme oder der Beine
  • Schwäche, Urin und Stuhl zu lassen oder halten

 

Lendenwirbelsäule
  • Lokale Kreuzschmerzen
  • Schmerzen, die in das Bein ausstrahlen
  • Schmerzen kombiniert mit Gefühlsstörungen und oder Muskelschwäche
  • Komplette Lähmung eines oder beider Beine und / oder Arme
  • Schwäche, Urin und Stuhl zu lassen oder halten

 

Brustwirbelsäule
  • Schmerzen der Brustwirbelsäule
  • Schmerzen, die im Rippenverlauf ausstrahlen
  • Schmerzen, Lähmungen eines oder beider Beine
  • Schwäche, Urin und Stuhl zu lassen oder halten

 

Behandlung / Therapie

Minimalinvasive Schmerztherapie bei Wirbelsäulenerkrankungen

Um Schmerzen der Wirbelsäule richtig behandeln zu können, ist zunächst eine exakte Diagnose erforderlich. Sind die Beschwerden z.B. auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen, handelt es sich um einen fortgeschrittenen Verschleiß der Wirbelgelenke oder gar um eine Entzündung? Welche Rolle spielen die Muskulatur und die Wirbelsäulenstatik? Alle diese Fragen müssen mit einer gründlichen Untersuchung geklärt werden, wozu die körperliche Untersuchung, ein Röntgenbild, eine Magnetresonanztomographie und auch eine neurologische Untersuchung gehören kann.

Nukleoplastie

Dieser Eingriff wird ebenfalls ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt. Es wird über eine Sonde Bandscheibengewebe bei niedrigen Temperaturen abgetragen bis der Faserring den Nerv wieder freigegeben hat. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Da lediglich eine Hohlnadel eingeführt wird, entsteht kein Hautschnitt und das Infektionsrisiko ist gering.

Perkutane Nukleoplastie Perkutane Nukleoplastie
Bilder von einer Operation - Perkutane Nukleoplastie der Bandscheiben. (klicken zum vergrößern)

 

Prognose - Heilungschance

Eine exakte Vorhersage hinsichtlich der Prognose eines Bandscheibenvorfalls bzw. Bandscheibenerkrankung kann nicht erstellt werden. Ältere Patienten neigen allerdings häufiger zu einer Chronifizierung der Schmerzen, während man bei jüngeren Patienten mit akuten Schmerzen von langen, schmerzfreien Intervallen ausgehen kann. Nachträgliche (postoperativ) angewendete Behandlungsmethoden wie Krankengymnastik gelten als besonders wirksam, müssen jedoch dauerhaft vom Patienten angewendet werden. Der Grad der Besserung hängt dabei in besonderem Maße von der Eigeninitiative des Patienten ab.